Storytelling ist gut. Geschichten erzählen ist besser.

Im Internet zählen gute Inhalte: gut geschrieben, um die Leser zu begeistern. Gut für Suchmaschinen optimiert, damit Google glücklich ist und interessierten Lesern die Inhalte auch anzeigt.

Doch was sind gute Inhalte? Solche, die den Leser interessieren, überraschen, zum Weiterlesen animieren, für das Angebot begeistern. Dazu gehört es, Geschichten zu erzählen. Emotionen statt nur Fakten, Spannungsaufbau statt nur Informationsvermittlung: Es hat sich herumgesprochen, dass sich das in vielen Fällen lohnt. Natürlich unter dem neudeutschen Stichwort „Storytelling“. Denn in unserer Branche gilt ja: Mit hübschen englischen Begriffen und exotischen Fremdwörtern gewürzt wirkt das Marketing- und Redaktionskonzept gleich doppelt so wertvoll.

Misstrauisch würde ich als Kunde werden, wenn jemand daherkommt wie just ein Storytelling-Prophet in der Fachzeitung W&V. Bei der Beschreibung seines Vorgehens würzt er jeden Satz mit allerfeinstem Denglisch.

Kostprobe: Da wird ein „Content-Modell“ entwickelt, eine „Message-Architektur“ errichtet, bei der das „User Research“ berücksichtigt und ein „Content-Audit“ mit den „Stakeholdern“ durchgeführt wird. Nachdem dann der „Content generiert“ wurde, geht es nicht etwa einfach ans Texteschreiben. Nein, jetzt kommt weit moderner „Content Baking“ oder „Content Frying“. Ein „Social-Collaboration-Prozess“ darf nicht fehlen, natürlich mit dem „Style Guide“ abgestimmt. Das alles wohlgemerkt in einem einzigen (!) Absatz in dem Artikel.

Fakt ist:

Ja, es gibt heute neue und intelligente Wege, um die Menschen mit Inhalten und Geschichten zu begeistern. Oder neudeutsch: um das Customer Engagement im Inbound- und Outbound-Marketing zu erhöhen. Das setzen wir bei Internetprojekten für unsere Kunden natürlich selbst ein.

Und NEIN, dazu brauchen wir kein gutes Dutzend Wortkreationen pro Absatz. Stattdessen binden wir zum Beispiel eine Software ein, die uns sagt, wie verständlich ein Text für die Leser ist. Dies lässt sich dann zusammenfassend auf einer Skala von 0 (= Habilitationsschrift über Wittgensteins Schriften) bis 20 (= Kinderbuch) darstellen.

Wie der oben zitierte Artikel bei diesem Test abschneidet, brauchen wir wohl nicht zu erwähnen.

In diesem Sinne: Storytelling ist gut. Geschichten erzählen ist besser.


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