Ein Tag im Leben einer Projektmanagerin

Auch in einer Agentur kehrt durchaus mal der Alltag ein. Nur sieht dieser jeden Tag anders aus.

„Jetzt erzähl doch mal endlich, Kind, du arbeitest in so einer Agentur und bist Projektmanagerin. Aber was machst du da dann genau?“ Wer kennt ihn nicht, diesen Moment, wenn man den Eltern zu erklären versucht, womit man eigentlich sein Geld verdient?

Es vor allem so versucht, dass sie es auch verstehen. „Gutes Projektmanagement ist nicht, unbedingt zu wissen, was wann zu tun ist, sondern wann welche Ausreden am glaubwürdigsten sind“, schießt es mir spontan durch den Kopf. Hab ich mal irgendwo gelesen, fand ich witzig, ist hängengeblieben. Hilft uns jetzt aber auch nicht weiter. Ich versuche es also anders. „Wollt ihr wissen, wie ein typischer Tag in der Agentur aussieht?“ Strahlen und Nicken. Na gut, auf geht’s.

Wählen wir einen Dienstag (es könnte aber eigentlich auch jeder andere Tag sein). Nach der Begrüßungsrunde und dem obligatorischen Gang zur Kaffeemaschine wird losgelegt. Computer hochfahren, Mailprogramm öffnen – Mist. 32 neue Mails? Seit gestern Abend? Wie kann das sein?

Nach dem ersten Herzrasen legt sich der Schreck – ein Großteil sind abonnierte Newsletter, Infomails über interne Verteiler oder Werbung. Keine Totalkatastrophe, kein Super-GAU. Es sind Kundenmails dabei, eine Nachfrage zur Gestaltung der Website, ein positives Feedback zu den Textvorschlägen für ein Mailing und eine Abwesenheitsnotiz. Der Tag hätte ungemütlicher beginnen können.

Heute stehen ein längeres Telefonat, ein Brainstorming und diverse interne Abstimmungen mit den Grafikern auf dem Programm. Dazwischen schreibt man Mails oder telefoniert mit dem Kunden, um offene Fragen zu klären. Man liest Texte gegen, man prüft Layoutvorschläge für eine Broschüre auf Herz und Nieren, man stellt eine Präsentation für einen Neukunden zusammen.

DEN typischen Tag im Projektmanagement gibt es eben nicht. Abhängig von Kunden und dem jeweiligen Projekt gestalten sich die Tage ganz unterschiedlich. Abläufe können durcheinandergeworfen werden, weil etwas Dringendes dazwischenkommt. Planungen verschieben sich je nach Kundenwunsch und Eile oder auch durch das Auftreten unvorhersehbarer Hürden. Für die wir am Ende natürlich immer eine patente Lösung parat haben.

Ein paar Konstanten gibt es aber dennoch:

  1. In der Regel hat man morgens keine 32 neuen Mails, und man bekommt auch kein Herzrasen beim Checken. Denn wir haben freundliche Kunden und Spaß an der Arbeit.
  2. Ein Brainstorming ist immer unterhaltsam – denn man kann seiner Phantasie ungehemmt freien Lauf lassen. Sehr zur Freude aller Beteiligten.
  3. Alle paar Monate ist man an der Reihe mit Küchendienst. Egal ob Projektmanager, Grafiker oder Texter.
  4. Freitags gibt es den Fat Friday. Figurbewusste Mitarbeiter beteiligen sich daran, immer im Hinterkopf behaltend, dass jede Mahlzeit mindestens 1.200 Kalorien enthalten muss. Sonst gefährdet man seine Teilnahmeberechtigung.
  5. Zum Projektmanagement gehört auch, Kostenvoranschläge und Rechnungen zu schreiben. Vielleicht nicht immer ganz so aufregend, aber auch das will erst mal gekonnt sein!

Meine Eltern haben gebannt zugehört und fassen nun zusammen: Ich bekäme also viele E-Mails, Braindingsbums seien lustig – und sie fänden es sehr gut, dass ich auch was in der Küche tun müsse. Nun ja, so oder so ähnlich. Sie haben es auf jeden Fall irgendwie verstanden.


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